Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die Konjunkturexperten des internationalen Wirtschaftsforschungs- und Prognoseinstituts Oxford Economics1 erwarten, dass sich die Weltwirtschaft im laufenden Jahr nochmals schwächer entwickeln wird als im Vorjahr. Trotz zuletzt positiverer Impulse geht das Institut für das Gesamtjahr 2016 von einem Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von lediglich 2,2 Prozent aus2. Im vergangenen Jahr betrug der Zuwachs 2,6 Prozent. Das Wachstum der globalen Industrieproduktion wird nach Einschätzung von Oxford Economics mit einem Plus von 1,7 Prozent leicht unter dem Niveau des Vorjahres (1,8 Prozent) liegen.

Die wesentlichen Einflussfaktoren für die globale Konjunktur bleiben die Entwicklung der Wirtschaft in den Schwellenländern, insbesondere in China, aber auch in Brasilien und Russland. Das Wachstum in den USA ist unverändert konsumgetrieben, während die Industrieproduktion weiterhin schwach verläuft – und das trotz einer Stabilisierung der Lage an den Öl- und Rohstoffmärkten seit Jahresbeginn. Das Ergebnis des britischen Referendums über den Verbleib in der Europäischen Union („Brexit“) wird kaum einen Einfluss auf die Weltkonjunktur haben, solange es keinen globalen Einbruch beim Vertrauen von Konsumenten und Unternehmen gibt, der sich kurzfristig auf Konsum und Investitionen auswirkt. Auch bei einer Zuspitzung der Verhandlungslage in den nächsten beiden Jahren wäre damit nicht zu rechnen.

Für die Region EMEA (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) erwarten die Wirtschaftsforscher einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent (2015: 1,7 Prozent). Die Industrieproduktion soll um 1,1 Prozent wachsen (2015: 1,3 Prozent). Dabei fällt die Entwicklung in den Einzelregionen deutlich unterschiedlich aus. Die Vorhersagen für Deutschland und den Euroraum sind zwar nach wie vor relativ zurückhaltend. Das BIP in der Eurozone wird voraussichtlich um 1,6 Prozent wachsen (2015: 1,9 Prozent). Der Anstieg in Deutschland wird auf 1,8 Prozent geschätzt (2015: 1,5 Prozent). Der Ausgang des vom britischen Parlament abgehaltenen Referendums über einen Verbleib des Vereinigten Königreichs (UK) in der Europäischen Union hat nach Ansicht der Konjunkturexperten im laufenden Jahr nur eine geringfügige Auswirkung auf das britische BIP. Sie erwarten ein BIP-Wachstum von 1,9 Prozent (2015: 2,2 Prozent). Die Prognosen für die kommenden Jahre sind gleichwohl mit hoher Unsicherheit behaftet, da sie stark vom Verlauf, den Perspektiven und dem Ergebnis der Austrittsverhandlungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union abhängen. Der Mittlere Osten dürfte sich mit einem BIP-Wachstum von 1,5 Prozent zwar solide entwickeln, das prognostizierte Wachstum liegt jedoch unter dem Wert für 2015 (3,6 Prozent). Für Osteuropa wird ein leichter Anstieg von 1,2 Prozent erwartet (2015: 0,0 Prozent). Die Prognosen für Russland sind deutlich schlechter. Während die jüngste Erholung des Ölpreises zuletzt für Entlastung sorgte, beeinflussen die Wirtschaftssanktionen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes im laufenden Jahr nach wie vor negativ. Die Konjunkturexperten gehen daher von einem Rückgang der russischen Wirtschaftsleistung um weitere 0,7 Prozent aus (2015: –3,7 Prozent). Das Wachstum der Industrieproduktion soll in diesem Jahr bei –0,1 Prozent liegen (2015: –3,1 Prozent). In Südafrika, dem für Linde wichtigsten Markt in Afrika, soll die Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent steigen (2015: 1,3 Prozent).

Wie bereits in den vergangenen Jahren wird die Region Asien/Pazifik voraussichtlich erneut die höchsten Wachstumsraten aufweisen. Auf Basis der Länderprognosen von Oxford Economics ergibt sich dort im Gesamtjahr 2016 ein voraussichtlicher BIP-Anstieg von 5,6 Prozent (2015: 5,6 Prozent). Die chinesische Volkswirtschaft wird im laufenden Jahr um voraussichtlich 6,6 Prozent wachsen (2015: 6,9 Prozent). Maßgeblich zu dieser Entwicklung tragen die expansive chinesische Geld- und Fiskalpolitik sowie der Bausektor bei. Offen bleibt allerdings, ob diese Entwicklung über die nächsten Jahre trägt. Für die Industrieproduktion wird im laufenden Jahr ein Anstieg um 6,0 Prozent im Vergleich zu 6,1 Prozent im Vorjahr vorausgesagt. Neben China ist Indien einer der wesentlichen Wachstumstreiber in dieser Region. Dort soll das BIP um 7,5 Prozent steigen (2015: 7,2 Prozent). Die Erhöhung der Industrieproduktion in Indien wird von den Konjunkturexperten mit 1,8 Prozent unter der Wachstumsrate des Vorjahres erwartet (2015: 3,2 Prozent). Für Australien rechnet das Wirtschaftsforschungsinstitut mit einem Wachstum von 2,9 Prozent (2015: 2,4 Prozent). Dieser Anstieg wird allerdings primär aus dem Ausbau des Dienstleistungssektors resultieren, der rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht.

Für die Gesamtregion Amerika rechnet Oxford Economics in diesem Jahr mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung von 0,9 Prozent (2015: 1,7 Prozent). Mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent sind die USA bei dieser Entwicklung der wesentliche Treiber (2015: 2,6 Prozent). Als Gründe nennen die Konjunkturexperten ein zunehmendes Haushaltsnettoeinkommen und einen stabilen Arbeitsmarkt. Die US-Industrieproduktion wird hingegen dieses Jahr voraussichtlich um 0,8 Prozent zurückgehen (2015: 0,3 Prozent), da die energienahen Industrien (Bergbau) unter den weiterhin niedrigen Rohstoffpreisen leiden. Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe in den USA wird 2016 voraussichtlich leicht steigen. Das Bruttoinlandsprodukt Südamerikas wird sich nach Ansicht der Forscher mit –1,7 Prozent weiterhin rückläufig entwickeln (2015: –1,6 Prozent). Hauptursachen dafür sind die weiterhin instabile gesamtwirtschaftliche wie politische Lage Brasiliens mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 3,2 Prozent im laufenden Jahr (2015: –3,9 Prozent) sowie die Wirtschafts- und Staatskrise in Venezuela.

1 © 2016 Oxford Economics. Alle Rechte vorbehalten.
2 Die im Folgenden genannten Prognosewerte für einzelne Regionen entsprechen den nach Wirtschaftsleistung gewichteten Durchschnittswerten der Länder, in denen Linde tätig ist.