Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Aufgrund der Vielzahl geopolitischer Krisen rechnen die Konjunkturexperten damit, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft im laufenden Jahr auf Vorjahresniveau einpendeln wird. So erwartet das internationale Prognoseinstitut Oxford Economics1 für das Gesamtjahr 2015 eine Erhöhung des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,6 Prozent. Das Wachstum im Gesamtjahr 2014 betrug 2,7 Prozent. Für die globale Industrieproduktion (IP) prognostizieren die Konjunkturexperten für das Jahr 2015 ein Plus von 2,4 Prozent (2014: 2,5 Prozent).

Die dynamische Entwicklung in den Wachstumsregionen, zu denen unter anderen die Regionen Ostasien und Nordamerika gehören, gilt dabei weiterhin als der stärkste Impulsgeber für die weltweite Konjunkturentwicklung. Zwar wurde die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von China in 2015 im laufenden Jahr gesenkt, jedoch sollen strukturelle Anpassungen das Wachstum stimulieren. Darüber hinaus gehen die Experten davon aus, dass der Aufschwung in Deutschland an Fahrt gewinnt. Die Schuldenkrise in Griechenland wird voraussichtlich keinen großen Einfluss auf die Weltwirtschaft haben. Insgesamt wird aufgrund des niedrigen Ölpreises zwar ein Anstieg des globalen Konsums erwartet, jedoch kann er sich in einigen Branchen auch negativ auf die Investitionstätigkeit auswirken.

Dennoch bestehen nach wie vor Risiken für die weltweite Konjunktur. So könnte die Vielzahl geopolitischer Krisen die Wirtschaftsentwicklung beeinträchtigen. Zudem dürften die nach wie vor beträchtlichen Staatsdefizite, Währungsturbulenzen oder die in vielen Industrieländern unverändert hohe Arbeitslosigkeit bremsend wirken. Darüber hinaus sorgt die hohe Volatilität an den Finanzmärkten für Unsicherheit.

Für das laufende Jahr 2015 erwarten die Wirtschaftsforscher für die einzelnen Regionen der Welt unterschiedliche Wachstumsgeschwindigkeiten.

Die höchste Dynamik dürfte erneut im Raum Asien/Pazifik zu verzeichnen sein. Oxford Economics beziffert den BIP-Anstieg dort für das Gesamtjahr 2015 auf 5,6 Prozent (2014: 5,9 Prozent). Erstmals hat Indien dabei die Spitzenposition eingenommen. Dort soll das BIP um 7,5 Prozent steigen (2014: 7,1 Prozent). Die Erhöhung der Industrieproduktion in Indien soll sich mit 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2014: 1,8 Prozent) sogar mehr als verdoppeln. Aber auch China liegt mit einem geschätzten BIP-Plus von 6,6 Prozent weiterhin auf einem sehr hohen Niveau (2014: 7,4 Prozent). Die Industrieproduktion wird mit 6,0 Prozent in 2015 nicht ganz so stark wachsen wie noch im Vorjahr (2014: 7,3 Prozent).

Für Australien rechnet das Oxford Economics mit einem Wachstum von 2,6 Prozent (2014: 2,7 Prozent). Dieser Anstieg wird allerdings primär aus dem Ausbau des Dienstleistungssektors resultieren, der die Wirtschaft Australiens mit rund 80 Prozent des BIP dominiert. Für die verarbeitende Industrie wird nach wie vor ein schwächeres wirtschaftliches Umfeld vorhergesagt. Zudem ist in der Bergbauindustrie weiterhin von rückläufigen Investitionen auszugehen.

Das Wachstum in der Gesamtregion EMEA (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) soll im laufenden Jahr 1,5 Prozent betragen und damit auf Vorjahresniveau liegen (2014: 1,6 Prozent). Die Prognose für Deutschland liegt mit 1,9 Prozent etwas über dem Vorjahreswert (2014: 1,6 Prozent). Der Anstieg der Industrieproduktion soll mit einem Wert von 1,5 Prozent jedoch nur moderat ausfallen (2014: 1,5 Prozent). Für UK erwarten die Experten einen BIP-Anstieg von 2,6 Prozent (2014: 3,0 Prozent). Für Osteuropa und den Mittleren Osten prognostizieren die Konjunkturforscher aufgrund der Krise in der Ukraine und in Russland erwartungsgemäß nur noch ein vergleichsweise geringes BIP-Wachstum von 0,5 Prozent (2014: 2,0 Prozent). Die Industrieproduktion soll dort ebenfalls nur noch um 0,8 Prozent wachsen (2014: 2,4 Prozent). In Südafrika, dem für Linde wichtigsten Markt in Afrika, soll das BIP-Plus 2,1 Prozent betragen. Damit liegen die Erwartungen über dem Wert für das vergangene Jahr (2014: 1,5 Prozent).

Für die Gesamtregion Amerika wird für das Jahr 2015 derzeit der Anstieg der Wirtschaftsleistung auf 1,7 Prozent beziffert (2014: 2,2 Prozent). Mit 2,3 Prozent sind die USA bei dieser Entwicklung der wesentliche Treiber (2014: 2,4 Prozent). In Südamerika soll die Wirtschaftsleistung in 2015 um 0,6 Prozent sinken (2014: 0,6 Prozent). Dabei wird für Brasilien in 2015 ein Rückgang von 1,6 Prozent und für Venezuela von 6,0 Prozent vorhergesagt.

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